Freitag, 8. Mai 2009

Untersuchungen zur biologischen Küche

Schmeckt biologisches Essen besser oder anders als konventionelles?

"Saltimbocca alla romana con Risotto all' Safrano e verdura"
*(b=biologisch, k=konventionell)

Fleisch
Geschmacklich konnten wir beim Kalbsfleisch keinen Unterschied erkennen. Mit Gedanken an das glückliche Kalb auf der blumigen Wiese war jedoch das b-Plätzli* eher zu geniessen. Wir gehen davon aus, dass bei Bio auch die Haltung der Tiere stimmt. Deutlicher war der Geschmacksunterschied beim Rohschinken. Sowohl roh als auch gebraten hatte die Bio-Ausgabe einen kräftigeren und salzigeren Geschmack, wie der konventionelle Schinken aus der Migros.

Safranrisotto
Damit die b-Variante und die k-Variante* wirklich gleich schmecken, entschieden wir uns, dass je eine Person für einen Teil des Menus zuständig ist. Ich kochte also den Risotto.
Dafür brauchte ich Zwiebeln, Olivenöl, Reis, Hühnerbouillon und Safran.
Als erstes kochte ich für die beiden Varianten die Hühnerbouillon. Schon da stellten sich erste Unterschiede heraus. Die b-Bouillon war in Pulverform, während es sich bei der k- Bouillon um Würfel handelte. Der Geschmack, sowohl mit der Nase als auch mit dem Mund, unterschied sich ebenso wie das Aussehen. Die b-Bouillon roch nach richtigem Huhn und war eher trüb und hell. Festere Stoffe setzen sich nach dem Aufkochen auf den Boden ab. Einige Gewürzkräuter schwammen auch noch darin herum. Die k-Bouillon war vom optischen her dunkler und Fettaugen schwammen an der Oberfläche. Sie roch, wie wir Hühnerbouillon meistens riechen, im Gegensatz zur b-Variante eher weniger nach Huhn. Auch beim Probieren waren Differenzen zu schmecken. Die k-Bouillon ist im Geschmack salziger und fettiger. Die b-Bouillon schmeckt fast so, als ob man in ein Huhn beissen würde. Sie ist weniger salzig und kaum fettig.
Bei den Zwiebeln konnte ich keine Unterschiede feststellen. Ich muss zugeben, ich habe sie aber roh auch nicht probiert. Ebenfalls keinen Unterschied merkte ich beim Olivenöl, wobei dies eine schwierige Sache ist. Um Olivenöl wirklich zu testen, hätten wir wohl reines Olivenöl probieren müssen und selbst dann ist es immer noch Geschmacksache.
Der Reis unterschied sich optisch ein wenig. Der k-Reis war eher grösser und dicker, während der b-Reis klein und fein war (k-Reis vielleicht gentechnisch verändert???).
Während wir beim k-Safran Pulver verwendeten, hatten wir b-Safranfäden gekauft. Mit dem Pulver verfärbt sich der Reis sehr schnell und schön. Mit den Safranfäden hatte ich mehr Probleme. Ich musste sie erst mit einem Löffel zerdrücken, damit sich ihr Aroma besser entfalten konnte. Leider färbten die Safranfäden nicht sehr stark, aromatisierte den Reis aber trotzdem.

Gemüse
Den auffälligsten Unterschied beim Gemüse haben wir bei den Karotten bemerkt, denn die b-Karotten hatten viel mehr Geschmack als die konventionellen. Der Lauch und die Zucchini sahen in beiden Varianten gleich aus und liessen sich kaum unterscheiden. Ausser, dass der b-Zuccini einen etwas bitteren Geschmack im Mund hinterliess.

Optischer Eindruck
Safranrisotto Wie schon erwähnt, war der b-Risotto heller als der k-Risotto. Die Reiskörner waren beim b eher kleiner als beim k. Ansonsten waren keine optischen Unterschiede festzustellen.
Gemüse Beim Gemüse gab es keinerlei optische Unterschiede. Interessant wäre ev. die Struktur des Gemüses unter der Lupe anzuschauen und herauszufinden, ob so Differenzen zu erkennen wären.
Saltimbocca Da wir b-Kalb und k-Schwein genommen hatten, unterschied sich das Fleisch natürlich im Aussehen. Die Schweinesaltimbocca waren etwas grösser. Der k-Rohschinken war etwas dünner geschnitten als der b-Rohschinken. Ansonsten konnte ich keine optischen Unterschiede feststellen.


Links: Non-Bio-Food Rechts: Bio-Food

Geschmack
Safranrisotto Laut den Testpersonen und uns selbst unterlag der k-Risotto dem b-Risotto geschmacklich. Er war vielleicht auch etwas intensiver gewürzt, hatte aber allgemeinen mehr und den besseren Geschmack.
Gemüse Beim Gemüse ist der Unterschied der Karotten und der Zucchinis zu erwähnen. Die b-Karotten waren intensiver im Geschmack (etwas erdiger und süsslicher). Dafür waren die b-Zucchini bitterer als die k-Zucchini.
Saltimbocca Da wir leider nicht das gleiche Fleisch nehmen konnten (b-Kalb und k-Schwein) waren die Voraussetzungen ungünstig. Die b-Saltimbocca waren geschmacklich unübertrefflich und das Fleisch war sehr zart; was wohl auch daran lag, dass es eben Kalbfleisch war. Aber auch die k-Saltimbocca waren vorzüglich. Nicht ganz so zart wie das Kalbfleisch, aber auch sehr gut.
Zählt man die Punkte also nun zusammen, so gewinnt trotz der bitteren Zucchini die biologische Variante. Wobei wir anfügen müssen, dass die konventionelle durchaus auch sehr gut war. Der Test war schwierig und wir mussten bewusst essen und schmecken, um feine aromatische Nuancen zu erkennen.
Zieht man noch den ökologischen Aspekt bei, so gewinnt das biologische Essen natürlich noch einen Punkt dazu.

Preis
Wie erwartet, muss ein jeder, der/die sich mit biologischen Produkten eindecken will, bei einigen Nahrungsmitteln tiefer in die Tasche greifen. Besonders deutlich mussten wir dies beim Kauf von Fleisch spüren. In der Migros haben wir k-Kalbsplätzli zu einem Kilopreis von 46 Fr. bekommen während im Bio-Supermarkt für 78 Fr. pro Kilo berechnet werden. Auch beim Rohschinken für unser Saltimbocca zahlten wir für die b-Version fast das dreifache wie für den k-Schinken. Der Unterschied beim Gemüse war hingegen unserer Ansicht nach nicht signifikant. Einzig die k-Zwiebel kosteten beim orangen M 1.80 Fr. pro Kilo während im Bioladen für das gleiche Gewicht 5.70 Fr. verlangt wird. Grosse Augen machten wir ausserdem beim Safran und bei der Hühnerbouillon. Bei beidem kostete die Bioversion ebenfalls das Dreifache kostete.

Verfügbarkeit
Grundsätzlich war es uns ohne grosse Probleme möglich, alle Produkte für unser Menu einerseits in Bio-Version und andererseits in der konventionellen Ausgabe zu finden. Allerdings mussten wir wegen dem b-Fleisch und dem b-Safran in den Bio-Supermark, weil dies in der Migros nicht erhältlich war. Auch die Zwiebel sowie die Karotten kauften wir im Bioladen, weil es in der Migros nur Kilopackungen von Bio-Zwiebeln und Bio-Karotten gab und wir gerade keine so grosse Nachfrage nach denselben hatten. Als dritte, nicht im Migros erhältliche Zutat ist ausserdem die Bio-Hühnerbouillon zu nennen, welche wir jedoch im Bioladen problemlos zwischen all den anderen tollen Angeboten fanden.

Schlusszitat

Wir schliessen unsere Untersuchung zum biologischen Essen ab und kommen zum Schlusszitat: Bio schmeckt zum grössten Teil besser und bringt nur in wenigen Produkten einen enormen Preisaufschlag mit sich (Fleisch, Zwiebeln, Safran und Hühnerbouillon). Wir denke man sollte einen Mix finden zwischen k-Produkten und b-Produkten, denn auch k-Produkte wie beispielsweise jene "aus der Region" sind bereits nachhaltig. Also liebe Leute kocht was das Zeug hält und macht euch selber mal ein Doppelmenu mit k- und b-Produkten – dann könnt ihr euch selber davon überzeugen!

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